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DefinitionAls Autonome oder autonome Gruppen werden heute umgangssprachlich Mitglieder bestimmter unabhängiger radikal-libertärer beziehungsweise anarchistischer Bewegungen bezeichnet.Autonome Gruppen sind weder parteipolitisch noch sonst formal als Vereine organisiert. Untereinander bestehen lose Verbindungen und Netzwerke. Die Autonomen streben danach, auch unabhängig der bestehenden Gesellschaftsordnung, selbstbestimmte Freiräume zu schaffen. Dogmatische Etikettierungen werden von ihnen in der Regel abgelehnt. Im Überblick betrachtet, verfolgen sie antiautoritäre, sozialrevolutionäre und dem Anarchismus nahe stehende Ideale. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts bezeichnet sich eine Strömung innerhalb der rechtsextremen Bewegung in Deutschland als autonom und versucht, Organisationsstruktur und Auftreten teilweise zu kopieren. Diese bezeichnet sich selber als „Autonome Nationalisten“.
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Herkunft der Bezeichnung (Autonom)In Italien spielte in Arbeitskämpfen 1968/1969 eine Soziale Bewegung eine große Rolle, die sich „Autonomia Operaia“ nannte, „Arbeiterautonomie“.Die Autonomia Operaia war eine militante Bewegung, deren Demonstrationen von gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei geprägt waren, und die Sabotageakte in Fabriken beging. Zu ihr gehörten nicht nur Arbeiter und Studenten, sondern auch Obdachlose und Arbeitslose. Sie grenzte sich stark von der Kommunistischen Partei Italiens und den Gewerkschaften ab und entwickelte eine eigene Theorie, den Operaismus. Eines seiner zentralen Elemente war die Autonomie. „Die Autonomie eines Arbeiterkampfes, der sich von der gewerkschaftlichen Kontrolle befreit, ist offensichtlich etwas anderes als die Autonomie des ständig bewaffneten Proletariats, das seine Diktatur über die Gesellschaft ausübt“. Ende der 70er Jahre verlor der Operaismus seine Bedeutung, aber dieses Verständnis von Autonomie, nämlich selbstbestimmte politische Kämpfe unabhängig von gewerkschaftlichen oder parteilichen Bindungen, spontane Bewegung unter Verzicht auf Organisation und Führung, gehört seitdem zum Selbstverständnis der „Autonomen“ auch außerhalb Italiens. Anders als in der italienischen autonomen Bewegung spielen Konzepte und Praktiken des auf Einfluss in der Arbeiterbewegung ausgerichteten Operaismus im deutschsprachigen Raum keine herausragende Rolle.
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Geschichte der Autonomen in DeutschlandDie Autonomen gingen aus der Tradition bestimmter Teile der APO während der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre hervor. Die Neue Linke, die so genannte „Spontibewegung“ und Aktionen der „Spaßguerilla“, beispielsweise von Mitgliedern der Kommune 1 in Westberlin übten einen wesentlichen Einfluss auf Inhalte und Aktionen der deutschen Autonomen aus.In den 1970er Jahren waren es vor allem auch Autonome, die im Ruf standen, linksterroristische Gruppen wie die RAF, die Bewegung 2. Juni und besonders die Revolutionären Zellen (RZ) und andere zu unterstützen oder mit ihnen zu sympathisieren. Tatsächlich gab es im Netzwerk der RZ eine Fraktion (insbesondere in West-Berlin), die sich selbst als sozialrevolutionär begriff und deren Mitglieder den Autonomen zugerechnet wurden. Die ersten Zusammenhänge und Aktivitäten, bei denen sich selbst im auch heute noch gebräuchlichen Sinn als „autonom“ bezeichnende Gruppen auftraten, fielen zunehmend ab 1980 auf, vor allem in den Großstädten des nördlichen Westdeutschlands und in West-Berlin. Das erste Autonomen-Plenum bildete sich im Sommer 1980 in Berlin.Der 6. Mai 1980 ist ein wichtiges Datum in der Geschichte der Autonomen und wird von vielen als Gründungsdatum gesehen: in Bremen fand eine Rekrutenvereidigung im Weserstadion statt, wogegen es massive Proteste und heftige Ausschreitungen gab. Tausende Militarismus-Gegner (unter ihnen auch der langjährige Bremer Bürgermeister Henning Scherf, aktiver Pazifist), unter ihnen große Gruppen militanter setzten sich gegen massiven Polizeieinsatz zur Wehr. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren bis in die Gegenwart nahmen und nehmen autonome Gruppen oft an Demonstrationen und Aktionen der neuen Sozialen Bewegungen teil, beispielsweise der Friedensbewegung oder der Anti-Atomkraft-Bewegung. Massiver beteiligt waren sie zum Beispiel unter anderem an den Auseinandersetzungen und dem Widerstand gegen das Kernkraftwerk Brokdorf um 1981, die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf bis 1986, gegen den Bau der Startbahn West in Frankfurt am Main in den 1980er Jahren. Bis in die Gegenwart beteiligen sich auch viele Autonome an den Aktionen zur Behinderung der Castor-Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague ins deutsche Endlager in Gorleben. Je nach Zielsetzung und Inhalt der Aktionen sind Autonome von den Organisatoren der jeweiligen Demonstrationen und Aktionen mal willkommen und mal unerwünscht. Umstritten ist die Militanz einiger Autonomer bzw. deren Bereitschaft, je nach Eskalationsphase einer Demonstration oder einer anderen politischen Aktion auch Gewalt, etwa in Form von Wurfgeschossen (Steinen, Farbeiern u. a.) oder Schlägereien usw. gegen ihre Gegner, gegebenenfalls auch gegen die polizeiliche Staatsgewalt, anzuwenden. ![]() Um nicht erkannt zu werden, treten Mitglieder der autonomen Gruppen immer wieder geballt in Teilgruppen und vermummt als so genannter Schwarzer Block (wegen der bevorzugten schwarzen Kleidung) bei Demonstrationen auf. Der Begriff "Schwarzer Block" wird dabei von den Autonomen selbst nur ungern oder allenfalls ironisch verwendet. Geprägt hatte ihn im Jahr 1981 die Frankfurter Staatsanwaltschaft, die zahlreiche Autonome wegen "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung namens 'Schwarzer Block'" vor Gericht bringen wollte. Das uniforme Auftreten in geschlossenen Reihen und als ein nach außen abgesicherter Block setzte sich als Strategie gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte durch, seitdem Helm, Schienbeinschoner, Schutzbrille, Atemmaske usw. als Schutz vor Einsatzmitteln der Polizei vom Gesetzgeber als „passive Bewaffnung“ bei politischen Demonstrationen verboten wurden. Nicht nur die Identifizierung, sondern auch die Festnahme einzelner Mitglieder soll durch das Auftreten im Schwarzen Block erschwert werden. Schwerpunktmässig von den Autonomen besetzte Aktionsfelder bilden in der neueren Gegenwart vor allem die Hausbesetzerbewegung mit Besetzungen leerstehender ungenutzter Wohnräume (Beispiel Hafenstraße in Hamburg), die Antifa (antifaschistische Gruppen mit Aktionen gegen den Rechtsextremismus), sowie die antirassistische Bewegung, beispielsweise mit Solidaritätsaktionen mit Immigranten – etwa unter dem Motto „kein mensch ist illegal“ .
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Theorie und InhalteZu den am meisten diskutierten Inhalten in Autonomen Gruppen gehören die Frage von Selbstbestimmung und Militanz.Im Verständnis der Autonomen ist es nicht möglich, letztlich autonom (also selbstständig im Sinne von selbstbestimmt) und unabhängig zu sein. Jeder Mensch lebe in einem Geflecht von Abhängigkeiten, was für ein soziales Wesen auch normal sei. Das Hauptaugenmerk liege auf der Frage, inwieweit diese Abhängigkeiten fremd- oder selbstbestimmt seien, wobei angestrebt wird, möglichst ohne Fremdbestimmung leben zu können. Militanz wird in den Autonomen Gruppen im Wortsinn als „kämpferisch“, nicht als „militärisch“ verstanden. Gewalt als Selbstzweck oder als inhaltsleeres Ritual wird abgelehnt. Das Gewaltmonopol des Staates wird jedoch ebenso verneint. Ziele militanter Aktionen waren und sind neben den beschriebenen Aktionsfeldern auch Sexshops, Veranstalter von Sextourismusreisen und ähnlichem (Sexismus), Ausländerbehörden (Rassismus), Schulungszentren und Treffpunkte von (Neo-)Nazis (Faschismus und Neofaschismus) oder auch einzelne Betriebe, die als besonders ausbeuterisch im Umgang mit Angestellten und/oder der Natur angesehen werden (Kapitalismus). Zu den theoretischen Grundlagen der Autonomen zählt die „triple oppression“ (Rassismus, Sexismus und Klassismus, wie z. B. in „Drei zu eins“ von Klaus Viehmann beschrieben). Diese verwirft das Bild sozialistischer und kommunistischer Klassiker, nach denen im Kapitalismus der Hauptwiderspruch liege, und für die andere Formen von Ausbeutung und Unterdrückung wie Rassismus und Sexismus nur Nebenwidersprüche darstellten. Vielmehr sei jeder Mensch Teil eines Netzes aus allen drei Gewaltformen, die sich nur, je nach Lebenssituation, unterschiedlich stark ausprägten. Seit einigen Jahren erfreut sich auch die Wertkritik steigender Beliebtheit in autonomen Kreisen.
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Subkulturelle EinflüsseAb Anfang der 1980er Jahre übte die aufkommende subkulturelle Punkbewegung mit einer Lebensstil- und Musikrichtung, die sich gegen die kommerzialisierte Rock- und Popmusik ebenso wie gegen konventionelle Mode und Lebensstilrichtungen wandte, einen prägenden kulturellen Einfluss auf große Teile vor allem der noch relativ jungen Autonomen aus. Allerdings gab es immer auch Interessenskonflikte zwischen Punks und den von ihnen so bezeichneten „Automaten“. Während in linken, autonomen Zusammenhängen in der Regel auch theoretische und inhaltliche Diskurse anstehen, gelten Punks als eher theoriefeindlich. Während linke Autonome in der Regel Wert auf eine gewisse Disziplin legen (z. B. kein Alkohol bei Aktionen und Demonstrationen, keine sinnlose Gewalt, keine Duldung sexistischen Verhaltens), gelten Punks oftmals als undiszipliniert und unkalkulierbar. So wird z. B. sexistisches Verhalten oftmals geduldet, ohne dass Punks jedoch generell als Sexisten zu betrachten sind. Rationale linke Theorie verband sich mit einem „abgefahren-subversiven“ Humor, der in „Organisationen“ wie den Spontilisten Ausdruck fand, die in vielen Studentenparlamenten vertreten waren und Namen führten wie „Die Rebellen vom Liang Shiang Po“, LOLA (Liste ohne lästige Ansprüche) und WAHL-Liste (Wahrhaft Alternative Hochschulliste). Die autonome Gegenkultur zeichnete sich durch eine Vorliebe für „harte“ Musik (Punk, Heavy Metal), sexuelle Promiskuität und einen oft hohen Alkohol- und Drogenkonsum aus. In dieser Szene hatte sowohl die studentische autonome Frauenbewegung, die Männerbewegung und die Schwulenbewegung ihre Wurzeln. Ende der 80er Jahre stiegen viele Frauen aus der „gemischten“ autonomen Szene aus. Das Thema „Sexismus“ gewann an Brisanz, nachdem viele Frauen die an ihnen in der Szene begangenen „sexualisierten Grenzüberschreitungen“ und Vergewaltigungen thematisierten und Konsequenzen einforderten bzw. zogen. So warfen die Frauen in Bochum die Männer nach einer „Sexismusdiskussion“ aus dem gemeinsamen „autonomen Zentrum“ heraus und erklärten dies zum „autonomen Frauenzentrum“. Oftmals spaltete sich in den stadtweit geführten „Sexismusdiskussionen“ die Szene. Von Seiten der Kritiker und Kritikerinnen der „autonomen FrauenLesben-Szene“ wurde ihnen moralischer Rigorismus vorgeworfen. Tatsächlich blieb die autonome Szene in dieser Frage sehr vielschichtig. So begingen autonome Schwule Anfang der 90er Jahre im Rahmen der „Tunten-Terror-Tour“ vor dem Dom in Fulda ein sogenanntes „Sex-In“. Parallel wurde Vegetarismus/Veganismus zu einem Thema für Teile der autonomen Szene. Hinsichtlich der politischen Militanz fand eine starke Fraktionierung statt: Die einen hielten an behelmten und uniform vermummten Schwarzen Blöcken als genuin autonomer Demonstrationsform fest, die Anderen erklärten dies zu einem „ritualisierten Militanzfetisch“, hatten, wie beispielsweise die Münsteraner Kabarett-Gruppe Blarzer Schwock, hierzu ein selbstironisches Verhältnis oder entwickelten neue Aktionsformen wie Pink Silver, beispielsweise vertreten von politischen Trommelgruppen wie Rhythms of Resistance. Quelle: Wikipedia
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