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Anarchie

Definition

Anarchie bezeichnet ein zozialpolitisches und philosophisches Gesellschaftmodell, in dem jeder Mensch sich ohne unterdrückende Autorität und in freier Assoziation mit anderen Menschen entfalten kann. Die Anarchie negiert indes jegliche Form der irrationalen Autorität oder der Gewaltenteilung: Es existieren weder eine Exekutive (ausführende), eine Judikative (richterliche) noch eine Legislative (gesetzgebende) Gewalt, somit also kein Staat.
Vielmehr wollen die Anarchisten sich selbst über Räte und freie Übereinkunft organisieren, also durchaus eine Organisationsstruktur aufbauen, die aber per Definition hierarchiefrei sein muss und nicht mit Administration zu verwechseln ist.

Eine Gesellschaft, in der Anarchie herrscht, ist also eine Gesellschaft, in der die Menschen zusammen für ihre Lebensumstände Verantwortung übernehmen sollen.
Es gibt keinerlei lenkende staatliche Gewalt und keine Sanktionen einer Führungsschicht. Zur besseren Organisation ist es aber nach Meinung der Anarchodemokraten und der Rätekommunisten sowie Syndikalisten durchaus notwendig, Vertreter für einzelne Räte und Gebiete zu wählen, die dann, per imperativem Mandat, den Konsens ihres Rates im Kongress der "Abgeordneten" mit den anderen absprechen.
Der Unterschied zur parlamentarischen Demokratie liegt dabei hauptsächlich im imperativen (statt freien) Mandat sowie der permanenten Abwählbarkeit der Ratsmitglieder.
Zur Organisierung in Räten passt auch ein bekanntes Zitat von Pierre Joseph Proudhon: "Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft."
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Geschichte

Die Gedankengänge zur Anarchie entstanden bereits im Altertum.
Der eigentliche Begriff Anarchie entstand jedoch erst im 19. Jahrhundert als Gegenbewegung bzw. als politisches Gegenkonzept zur Monarchie und zur Demokratie.
Als real existierendes Beispiel kann vor allem der Spanische Anarchismus von 1936-1939 genannt werden.
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Gegenwart

Im heutigen Gebrauch des Wortes streitet man sich in der Syntax, wie "Führerlosigkeit" auszulegen ist. Die klassischen Anarchisten in der Tradition von Bakunin, Kropotkin und Proudhon verstehen auch institutionelle oder strukturelle Gewalt als so etwas wie Herrschaft. In der Wortbedeutung ist aber nur von Führern, also Personen die Rede.

Betrachtungsweisen / Interpretationen

Weiter kann man sich darüber streiten, was ein Führer ist. Ist ein Stammesoberhaupt, ein Familienoberhaupt, ein Richter, ein Gelehrter usw. ein Führer? Darüber mag man geteilter Meinung sein. Eine Auslegung wäre, Anarchie mit staatenloser Gesellschaft oder dem Fehlen des staatlichen Gewaltmonopols gleichzusetzen.

In diesem Sinne ist Herrschaft, wie wir sie kennen, keine zeitlose Institution. Neben und vor allem vor dem welthistorischen Beginn der Herrschaft moderner Staaten hat es logischerweise und tatsächlich Anarchie gegeben. Noch bei manchen rezenten Naturvölkern kann von Herrschaft Einzelner keine Rede sein. Die Mbuti etwa lebten ohne Macht von Führern, mithin in einer Anarchie. Die Abwesenheit von Gesetzgebern und Gesetzen kennzeichnet das Leben der Mbuti auch als 'gesetzlos'. Aber ohne Ordnung war ihr Leben deshalb mitnichten.

Neben den sozusagen natürlichen Formen der Anarchie außerhalb der Zeiten und Territorien der Einzelherrschaft gibt es die bewusst gewählten Formen der Anarchie anstelle etablierter.


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Bedeutung

  • ursprünglich, in der griechischen Antike: Abwesenheit des Alleinherrschers
  • Bezeichnung für eine herrschaftsfreie Gesellschaft, das heißt Abschaffung von Machtstrukturen wie Regierungen und Gerichten, aber auch wirtschaftlichen Zwängen (zum Beispiel Lohnarbeit, Zinsen und Schulden)
  • Das Modell einer Gesellschaftsform, der Anarchismus

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Verfehlte Verwendungen


  • Anarchie wird als Synonym zu politischem und gesellschaftlichem, aber umgangssprachlich zu verstehendem Chaos oder der Gesetzlosigkeit verwendet. Dabei heißt dieser Zustand korrekterweise Anomie.
  • Freudewort, um politische Gegner zu diskreditieren.
Quelle: Wikipedia

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